ROTE ZITRONE

Cover Rote ZitroneRot wie die Liebe… und sauer wie der Alltag …?!

Die Sammlung humoristischer Kurzgeschichten erzählt von der Liebe und deren Widrigkeiten. Ob gemeinsames Gliedmaßen-Verknoten in der stets zu kleinen Badewanne, sockenverschlingende Waschmaschinen oder spätpubertäre Liebessehnsüchte: Die selbstironischen Beobachtungen des Autorenpaares regen zum Schmunzeln an. Und immer erkennt man sich ein bisschen wieder…

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Liebesbeziehungen und deren Störungen

Um einen Menschen ganz kennenzulernen, ist es notwendig, ihn auch in seinen Liebesbeziehungen zu verstehen … Wir müssen von ihm aussagen können, ob er sich in Angelegenheiten der Liebe richtig oder unrichtig verhält, wir müssen feststellen können, warum er in einem Fall geeignet, im anderen Falle ungeeignet ist oder sein würde.
Wenn man außerdem bedenkt, dass von der Lösung des Liebes- und Eheproblems vielleicht der größte Teil des menschlichen Glücks abhängig ist, wird uns sofort klar, dass wir eine Summe der allerschwerstwiegenden Fragen vor uns haben, die den Gegenstand dieses Buches bilden.

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In der Tiefe und Flug zum Titan / Eine Herberge der Hölle / Freddie Funks verrückte Meerjungfrau von H.G. Wells, Stanley G. Weinbaum, Arthur Leo Zagat, Leroy Yerxa

Die Titel-Geschichte „In the Abyss (In der Tiefe)“ stammt vom englischen Schriftsteller H. G. Wells. Sie beschreibt eine Reise des Forschers Elstead zum Meeresgrund. Dieser hat einen Apparat erfunden, mit dem eine Person in große Tiefen vordringen und das Leben auf dem Meeresgrund beobachten kann. Es handelt sich um eine Stahlkugel mit einem Durchmesser von etwa neun Fuß, die einem immensen Druck standhalten soll. Gewichte, die mit einem Kabel an der Kugel befestigt sind, bringen sie auf den Meeresgrund. Der Forscher kann seine Beobachtungen durch das Fenster in der Kugel machen, wobei der Sauerstoff im Inneren durch einen fiktiven „Myers-Apparat“ ersetzt wird. Ein Mechanismus schneidet das Kabel nach einer bestimmten Zeit durch, und der Auftrieb der Kugel bringt sie wieder an die Oberfläche.
Die Kugel kehrt nicht planmäßig zurück. Während die Schiffsoffiziere warten, „stand die Dezembersonne hoch am Himmel, und die Hitze war sehr beträchtlich“. Um Mitternacht befürchten sie das Schlimmste …
Insgesamt vier erstaunliche Geschichten von den großen Pionieren der modernen Fantasy, Mystery und Science-Fiction-Literatur in neuer Übersetzung, die es wert sind zu lesen.

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Leseprobe mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber © 2004, Marco W. Linke, Barbara Schilling:

Mittwoch

Nun ist es also soweit. Vor kurzem fasste ich den tollkühnen Entschluss, mit meiner Freundin eine gemeinsame Wohnung zu beziehen. Da wir nicht nur unseren natürlichen Lebensraum wechseln, sondern das erste Mal mit einem Menschen eigener Wahl eine Wohnung teilen wollten, sollte dieser Umzug alle bisherigen Wohnungswechsel in den Schatten stellen.

Besonders für mich als Langzeitalleinlebender war dieses Vorhaben eine außerordentliche Herausforderung und verlangte nicht nur großen Mut, sondern vor allem schier endloses Vertrauen in die angestrebte Zweisamkeit. Aus Gründen der Fairness bekundete ich offen meine Bedenken, dass mein bisheriges Leben in Isolation gewiss die eine oder andere Spur hinterlassen hätte und ich mich sicher trotz reger Bemühungen nicht 100 % ändern könnte. Aber die liebste Person an meiner Seite redete mir gut zu und versicherte mir nachhaltig, dass ich mich gar nicht ändern sollte. So standen wir unserem gemeinsamen Vorhaben näher denn je.

Immerhin hatten wir den Ernstfall über Jahre sukzessiv geprobt. Ursprünglich trafen wir uns nur einmal die Woche. Dienstags. Auf neutralem Gebiet. Zum Beispiel beim kleinen Italiener »Alberto Grande«.

Alberto hatte neben einer üppigen Salatbar zahlreiche verträumte Nischen in seinem Restaurant und gewährte auf diese Weise den Liebespärchen der Stadt Unterschlupf. Nachdem sich bei Alberto ausschließlich die Liebenden trafen und diese sich über Stunden an einem Glas Wein festhielten, musste Alberto mangels Umsatz schließen. (Den Liebenden sei an dieser Stelle kein Vorwurf zu machen. Immerhin verging die Zeit bei Alberto wie im Fluge und rasch war die Pizza vor dem ersten Bissen kalt, weil man sich nicht von dem reflektierenden Kerzenschein in den Augen der Angebeteten zu lösen vermochte.) So blieb uns nichts anderes übrig, als unsere diensttägliche Gewohnheit zu ändern. Und wenn man gezwungen wird, seine Gewohnheiten zu ändern, steht das halbe Leben auf dem Kopf. Was richtig war, wird plötzlich falsch und anders herum.

Im nicht vermeidbaren Durcheinander unserer Partnerschaft entschlossen wir uns, gleich einen Schritt weiter zu gehen, und uns neben dienstags auch donnerstags zu treffen. Den Mittwoch wollten wir uns frei halten. Wir hielten dies für eine gute Idee, um uns nicht zu eingeengt zu fühlen. Die Dinge nahmen ihren Lauf und rasch war der Freitag mit Bowling, Montag mit Kino (in unserem Stadtkino ist montags Kinotag), Samstag mit Clubbing oder wahlweise Café und der Sonntag mit einem kleinen Spaziergang verplant.

Was ich eigentlich sagen will: wir haben uns nicht nur kennen gelernt, wir verbringen jede Minute der Woche zusammen – die 1440 mittwöchlichen einmal ausgenommen. Der Mittwoch war das Symbol unserer Freiheit. Sicherlich waren wir gewillt, uns für den Partner aufzugeben. Aber bei all der Trausamkeit: der Mittwoch war heilig. Unantastbar. Unser Sonntag der Katholiken. Dabei war es völlig egal, ob wir uns daheim langweilten oder versuchten an unserem längst aufgegebenen Freundeskreis anzuknüpfen (was natürlich fehlschlagen musste, weil der Frauenzirkel meiner Freundin sich dienstags zu treffen pflegte und mein letzter Freund nunmehr mittwochs Spätschicht hatte).

Der Mittwoch war partnerfrei. )

Marco W.Linke, Barbara Schilling: Rote Zitrone
BOD Norderstedt Verlag
ISBN 978-3833419768 (6,90 EUR)

Weitere Infos oder Bestellungen auch unter www.hunde-buch.com